| Prognose Euro-RON Q4 2009 |
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A. Die vorangegangene Prognose: Am 29.12.2008 prognostizierten wir für die rumänische Wirtschaft „einen regelrechten Absturz des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 9,1% im 3. Quartal 2008 in einen Korridor zwischen -1 bis +2% im Gesamtjahr 2009.“ Unsere Prognose für den Wechselkurs Euro-RON im 1 Quartal lautete: - erwarteter Korridor RON/EURO: 3,90 – 4,35 - p<20%, aber möglich: Gefahr eines „Abwertungssprungs“ auf 5:1 " Der Wechselkurs bewegt sich mit heute 4,22 RON = 1 EUR wie vorhergesagt, nur der Absturz der Realwirtschaft kam schlimmer als befürchtet, das BIP wuchs in 2008 um 0,9% und schrumpfte im ersten Quartal 2009 um 6,2% .
B. Die Entwicklung der Lage im ersten Halbjahr 2009: Die Industrieproduktion Rumäniens sank in den ersten sechs Monaten 2009 im Vergleich zu 01-06 2008 um 10,8 %, die Arbeitslosenquote steht bei 6,3%, die Exporte verringerten sich um 20,3 %, die Importe um 36,6%. Das Handelsbilanzdefizit ging damit zurück, bleibt aber im Juni mit 421,6 Millionen Euro immer noch hoch. Die Preisentwicklung zeigt sich im Juni 2009 zweigeteilt: Während die Industrieerzeugerpreise nur um 1,3 % wuchsen, verteuerte sich der Konsumgüterkorb um 5,86 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Eine detaillierte (wenn auch durch Rücksicht auf politisches Fehlverhalten 2004-2008 gekennzeichnete) Kausalkette der Ereignisse zeichnet der Gouverneur der rumänischen Notenbank in seinen beiden Vorträgen vom 26.02.2009 „Criza financiară internaţională şi provocări pentru politica monetară din România“ und vom 14.05.2009 „Finantare si ajustare in economia Romaniei“ (http://www.bnr.ro/Prezentari-si-interviuri--1332.aspx). Zur Vermeidung weiterer Kapitalabflüsse und einer drohenden Zahlungsunfähigkeit hat Rumänien im März 2009 den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die EU um eine Zahlungsbilanzhilfe ersucht. Weltbank, EBWE, EIB, IFC und MIGA stellten unter anderem im Rahmen des Gemeinsamen Aktionsplans der IFI Finanzhilfen zur Verfügung. Der Erfolg des makroökonomischen Reformprogramms und die Nachhaltigkeit der Zahlungsbilanz hingen in erheblichem Maße davon ab, dass sich ausländische Banken weiterhin in Rumänien engagieren. Am 26. März haben sich die Mutterinstitute der neun größten in Rumänien niedergelassenen Auslandsbanken (Erste Group Bank, Raiffeisen International, Eurobank EFG, National Bank of Greece, Unicredit Group, Société Generale, Alpha Bank, Volksbank, Piraeus Bank) in Wien in einer allgemeinen Erklärung verpflichtetet, ihr Engagement in Rumänien insgesamt beizubehalten und gegebenenfalls auch das Kapital ihrer Tochtergesellschaften aufzustocken (siehe Abschlusserklärung der beteiligten Banken). http://www.imf.org/external/np/cm/2009/032609.htm Im Anschluss an die Gespräche vom 19. Mai in Brüssel haben sich die neun Mutterbanken bereiterklärt, in den kommenden Wochen jeweils bilaterale Verpflichtungserklärungen abzugeben und die Mindesteigenkapitalquote aller Tochtergesellschaften auf 10 % zu halten, bzw. anzuheben. Im Gegenzug hat sich Rumänien verpflichtet, das staatliche Budgetdefizit auf 4,6% des BIP zu begrenzen und die Mindestreservesätze zurückzufahren. Das zugesagte Geld ist geflossen, abzulesen an der Notenbank-Bilanz. Im Mai 2009 sprang die Position „Pasive externe von 9,7 auf 29,9 Mrd RON. Erstaunlicherweise sprang auch die Position „Credite (Active externe)“ von 22,7 Mrd RON auf 33,4+ 11Mrd. Dieser Betrag ist fast ausschließlich als Kredit an „Nerezidenti“, also Ausänder vergeben worden. (Wir laden alle geneigten Leser dazu ein, dieses Phänomen zu erklären - Ihre Antwort bitte an h.proemm(at)proemm.de .Die zutreffendsten und die originellsten Antworten werden wir im nächsten Beitrag veöffentlichen) Die Regierung versucht tatsächlich Ausgaben zu reduzieren und die Notenbank hat die Zinsen moderat auf 9% gesenkt, ebenso die obligatorische Mindestreserve der Banken von 18/40 (RON/EUR) nun auf 15 / 35% . Das Ergebnis der Sparmaßnahmen der Regierung ist in Rumänien bei öffentlichen Baumaßnahmen und den Gehältern spürbar wird aber nicht ausreichen, denn unserer Ansicht nach steht Rumänien die Pleitewelle vieler, auch großer (unterfinanzierten und unausgelasteten) Betriebe noch mit all den negativen Folgen (Steuermindereinnahmen und Sozialtransfersteigerung) bevor. Deshalb ist höchst ungewiß, ob die in 2009 spät eingeleitete staatliche Ausgabenreduzierung mit dem Sinken des BIP mithalten kann. Die Geldmege M3 steigt dagegen weiterhin ungebrochen, von 147 Mrd RON in 01/2008 auf 179 Mrd RON in 06/2009. Bemerkenswert daran ist vor allem die Entwicklung der Einlagenstruktur. Während in diesem Zeitraum die Einlagen aus dem Ausland von 31 auf 8 Mrd. zurückgingen stiegen die Inlandseinlagen von 116 auf 171 Mrd. RON. Das Kreditvolumen ist leicht rückläufig, von „Kreditklemme“ kann aber keine Rede sein. Kreditvergabe in RON ohne Staat : 69,3 Mrd (01/08)– 85,8 (Maximalwert in10/08) -80,9 (06/09) Mrd RON Kreditvergabe in Devisen ohne Staat: 84,9 – 123,1 (Max. in 02/09) – 117,1 Mrd RON Kreditvergabe an Staat: 9,6 – stetig steigend bis – 36,7 Mrd RON Die Banken halten also die vergebenen Kredite auf wenig verändertem Niveau und wären durchaus in der Lage weiter Kredite zu gewähren. Die Frage ist nur an WEN und WOFÜR. Unserer Ansicht nach hat sich die Kreditwürdigkeit der Masse der rumänischen Unternehmen und Privatpersonen stark verschlechtert, da die Aufträge massiv wegbleiben, die Immobilienpreise stark gesunken und kaum Reserven vorhanden sind. Einen Vorgeschmack über die mögliche Entwicklung gibt folgende Aufstellung der Änderung der Bewertung der Kredite an Nicht-Banken (06/08 – 06/09):.... Tabelle Buletin BNR #6, S. 50..... Zusammenfassend lässt sich sagen:1. Staatshaushalt und Handelsbilanz Rumäniens sind weiterhin defizitär. Das Haushaltsdefizit mit steigender Tendenz, das Handelsbilanzdefizit mit sinkender Tendenz. 2. Die Masse der Produktionsunternehmen ist unterkapitalisiert (Eigenkapital). 3. Bei unveränderter Auftragslage steht eine Pleitewelle und steigende Defizite des öffentlichen Sektors bevor. 4. Solange die Notenbank Interventionen (mit geborgtem Geld) am Devisenmarkt tätigt, kann die Exportfähigkeit Rumäniens nicht durch Abwertung des RON verbessert und die Importe nicht gebremst werden. 5. Die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit ist durch den IWF-Kredit abgewendet, kann aber durch massiven Kapitalabzug binnen kurzer Zeit wieder akut werden. 6. Die ausländischen Banken werden ihr Kapital aus Rumänien nicht abziehen, wenn a) Rumänien seine Defizite reduziert und b) die Banken keine negativen Schocks aus dem Umfeld ihrer Muttergesellschaften erhalten. 7. Der Umkehrschluß dieser Argumentation ist aber genauso logisch und wahrscheinlich. Sollten die Wirtschaftssubjekte in Rumänien (in Erwartung einer Abwertung des RON) massiv RON gegen EUR verkaufen, um jetzt EUR-Kredite zu tilgen, dann ist die Frage, ob die Devisenreserven der Notenbank ausreichen, um den Wechselkurs RON:EUR stabil zuhalten. In dem Augenblick, in dem die ausländischen Banken einen Abwertungssprung für möglich halten, werden sie (entgegen aller Zusagen und trotz der Druckmechanismen der BNR) ihr Valuta-Kapital aus Rumänien abziehen.
C. Die Prognose bis 31.12.2009: Das rumänische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird im Gesamtjahr 2009 gegenüber Vorjahr eine Veränderung zwischen -6% bis -8% verzeichnen. Unsere Prognose für den Wechselkurs Euro-RON bis zum 31.12.2009: - erwarteter Korridor RON/EURO: 4,20 – 4,75 - p>50% für einen „Abwertungssprung“ auf >5:1 " D. Handlungsempfehlungen 2009: - Die rumänische Zentralbank sollte die Abwertung des RON gegenüber Euro auch über den Kurs von 5:1 hinaus zulassen, denn diese ist nötig für die Heilung des Handelsbilanzdefizits. - Die ausländischen Banken haben vom „Kapital-Flow-In“ profitiert und kannten das Risiko des möglichen „Flow-Out“. Der rumänische Steuerzahler sollte diese Kosten nicht übernehmen. - Die rumänische Zentralbank sollte strategisch US-$-Reserven gegen Gold oder andere Valuta tauschen. - Die rumänische Zentralbank sollte Leu-Goldmünzen prägen und diese mit einer Vertrauenskampagne breit unter der Bevölkerung streuen. - Die Regierung sollte Investitionskredite und –zuschüsse für wettbewerbsfähige Unternehmen und Einzelprojekte gewähren. - Die privaten Wirtschaftssubjekte sollten Schulden in US-$ umschichten und Vermögen in Gold oder Euro halten. Desweiteren können ab 2010 kreditfinanzierte (in USD oder RON) Immobilienkäufe in Erwägung gezogen werden. Copyright © Hans Prömm / 28.08.2009
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