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Gespräch mit Manfred Knappe, Vizepräsident und Leiter der Abteilung Kommunikation und Öffentliche Arbeit bei Premium Aerotec

Die Vorgeschichte des europäischen Flugzeugbauers Airbus begann vor rund 45 Jahren. 1965 schlossen sich nämlich mehrere deutsche Firmen zu der sogenannten „Arbeitsgemeinschaft Airbus“ zusammen, um gemeinsam konkurrenzfähige Passagierflugzeuge zu entwickeln und zu bauen. Renommierte Namen der Branche wie ATG Siebelwerke, Bölkow GmbH, Dornier, Flugzeugbauunion Süd, Hamburger Flugzeugbau oder Messerschmitt AG gehörten dazu. Durch verschiedene Fusionen innerhalb dieser Firmen und andere Maßnahmen wurde der zweite Schritt getan, der 1970 erfolgte, als „Airbus Industrie“ als deutsch-französisches Unternehmen entstand. Diesem trat 1971 die spanische CASA und 1979 die British Aerospace bei. In den Folgejahren wurden die deutschen Firmen der Gruppe von Daimler Benz gekauft und in dem DASA Konzern vereint. Es waren wirtschaftlich erfolgreiche Jahre und die Geschäftszahlen erreichten bald die der Konkurrenz von Boeing.

Am 10. Juli 2000 wurde durch die Fusion der deutschen DASA (DaimlerChrysler Aerospace AG), der französischen Aérospatiale-Matra und der spanischen CASA (Construcciones Aeronáuticas S.A.) der Konzern EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) als Europas größtes Luft- und Raumfahrtunternehmen gegründet. Airbus setzte seine Tätigkeit als Tochtergesellschaft neben verschiedenen anderen Sparten von EADS innerhalb des Konzerns fort und erweiterte sein Angebot. Es erfolgten Übernahmen oder Verlegungen von Standorten in die neuen EU-Mitgliedstaaten. Ein solcher Standort soll nun in Weidenbach/Ghimbav bei Kronstadt/Brasov entstehen. Einzelheiten über dieses Vorhaben erfuhr ADZ-Redakteur Hans Butmaloiu von Manfred Knappe, Vizepräsident und Leiter der Abteilung Kommunikation und Öffentliche Arbeit des Unternehmens Premium Aerotec.

Wie entstand Premium Aerotec?

Kurz gesagt: Premium Aerotec ist ein junges Unternehmen mit über hundert Jahre Tradition! Das Unternehmen entstand am 1. Januar 2009 durch Zusammenlegung des EADS-Werks Augsburg mit den Werken der Airbus Deutschland in Nordenham und Varel. Alleiniger Eigentümer ist EADS. Premium Aerotec ist der Haupterzeuger aller Großbauteile, nicht nur für die Airbus-Maschinen. Das Werk Nordenham ist zum Beispiel das Zentrum für Großblechfertigung und Schalenbau, vornehmlich für Airbus-Flugzeuge.

Werden diese Produkte nun auch im neuen Werk in Weidenbach gefertigt?

Ja, Premium Aerotec wird hier auf dem Gelände von ICA (Intreprinderea de Constructii Aeronautice) eine Werkhalle noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen, in der eben solche Teile erzeugt werden. Dabei muss ich sagen, dass es sich um ganz besondere Teile handelt: von höchster Präzision, mit genauster Überprüfung – jedes Stück geht einzeln durch die Kontrolle und Protokollierung. Ende 2010 wollen wir die ersten Teile aus diesem Werk haben. Es werden mechanische Metallteile von bestimmten Profilen sein, für den Rumpf des Airbus. Doch Premium Aerotec hat jetzt auch schon Aufträge von Boeing, kleinere Aufträge auch von Bombardier.

Für Zivilflugzeuge?

Ja, aber wir haben auch Aufträge aus dem Militärbereich – der Eurofighter sei hier erwähnt. Die Aufteilung wäre etwa 90 Prozent für den Zivilbereich und 10 Prozent für den militärischen. Letztendlich ist es auch eine Sache der Erfahrung: Zu uns gehört ja auch Messerschmitt, der Erbauer des ersten in Serie gefertigten Düsenjägers, (die ME 262/Erstflug 1942). Heute bereiten wir uns auf den Militärtransporter A400M vor.

Nun haben Sie sich für den Standort Weidenbach neben Kronstadt entschieden. Welche Kriterien waren denn bei der Auswahl maßgebend?

Natürlich hat die Konzernleitung mehrere Standorte besichtigt, in Erwägung gezogen und untersucht. Es ist kein Geheimnis, dass eher etwas im frankophonen Raum angepeilt war, doch wir hatten schon sehr gute Erfahrungen in Rumänien gemacht. Als wichtigen Punkt für die Entscheidung hat aber auch die Mitgliedschaft Rumäniens in der EU gezählt! Das ist ein Vorteil und natürlich gibt es auch eine gewisse Solidarität unter EU-Mitgliedern.

Wann ist eigentlich die Entscheidung getroffen worden, diesen Standort zu wählen?

Für Weidenbach haben wir uns Mitte des Vorjahres entschieden und wir mussten dann unseren Standpunkt vor der Leitung verteidigen. Natürlich wurde das Projekt auf Herz und Nieren geprüft. Doch als Pluspunkt, lassen Sie mich das noch hinzufügen, hat auch die Anwesenheit des Deutschen Wirtschaftsklubs in Kronstadt eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Die Tätigkeit und Unterstützung seines Vorsitzenden, Werner Braun, möchten wir an dieser Stelle besonders unterstreichen.

Sie haben mehrere Auswahlkriterien aufgelistet ....

... zu denen ich unbedingt noch eines hinzufügen möchte: das Personal. Wir machen hier Metallverarbeitung nach ganz bestimmten Verfahren. Eigentlich machen wir, Premium Aerotec, nur Verarbeitung. Montage gehört nicht in unseren Bereich, das macht Airbus. Also, was Metallverarbeitung auf hohem, anspruchsvollem Niveau betrifft, da haben wir hier, im Raum Kronstadt Unternehmen und Firmen vorgefunden, Personal vor allem, welches die notwendigen Erfahrungen und Qualifikationen hat. 300 Mitarbeiter von hoher Qualifikation werden wir für die vorgesehene Produktion dieses Jahres einstellen. Für den Bau der neuen Werkhalle auf dem ICA-Gelände, den Umbau der vorhandenen Halle, die Einrichtungen und vor allem die vorwiegend neuen Werkzeugmaschinen investiert Premium Aerotec 45 Millionen Euro.

Doch das ist nicht alles, es sind weitere Schritte vorgesehen, welche 2011 und 2012 folgen. Dann erst wird das Werk vollständig fertig sein. Noch eine Ergänzung: Es ist ein Gebiet, in dem die Entwicklungen uns zusätzlich zeigen werden, wo spätere Anpassungen anfallen.